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Nach den Reichstagswahlen vom 5. März 1933, aus denen die NSDAP als stärkste Partei hervorging, waren auch herausragende Bochumer Politiker nicht mehr sicher. Der demokratische Oberbürgermeister Bochums, Dr. Otto Ruer, wurde unter falschen Anschuldigungen aus dem Amt gedrängt und in den Selbstmord getrieben. Ihm sowie dem Reichstagsabgeordneten Fritz Husemann sind in der Bochumer Innenstadt zwei öffentliche Plätze gewidmet. Husemann wurde 1935 ins Konzentrationslager Esterwegen verschleppt und nach schweren Misshandlungen nach kurzer Zeit ‚auf der Flucht erschossen’.
Kurz nach dem Aufruf zum Boykott jüdischer Geschäfte und Einrichtungen wurde Adolf Hitler im April 1933 zum Ehrenbürger der Stadt Bochum ernannt. Wie im übrigen Deutschland war auch Bochum betroffen von Bücherverbrennungen, der Verfolgung von Juden und Andersdenkenden und der massiven industriellen Beteiligung an Hitlers Angriffskriegen. Die Industrie brauchte für die Rüstungsgüterproduktion ständigen Nachschub an Arbeitskräften. Ende 1944 gab es ca. 30.000 Menschen in Bochum, die als Zwangsarbeiter – hauptsächlich für den Bochumer Verein – eingesetzt wurden. Viele davon starben.
Durch die Anhäufung industrieller Komplexe, insbesondere durch die Präsenz des Rüstungszulieferers Krupp, wurde Bochum im Krieg ein wichtiges Ziel alliierter Angriffe und dadurch nahezu völlig zerstört. Als am 10. April 1945 die Amerikaner nach schweren Bombardierungen der Stadt in Bochum einrückten, fanden sie die Innenstadt in Trümmern vor. Diese Verwüstungen waren im Stadtbild bis in die 60er Jahre hinein sichtbar. Die Stadt Bochum hat mittlerweile zahlreiche Aktionen ins Leben gerufen, um die unheilvolle Mitwirkung an den Verbrechen unter der NS-Diktatur aufzuarbeiten.
Anfänge des Strukturwandels in Bochum
1965 baute die Adam Opel AG in Bochum ihr erstes Zweigwerk. Ein Teil der durch das Zechensterben verursachten Arbeitsplatzverluste kann dadurch kompensiert werden. Der Strukturwandel im Ruhrgebiet zeichnete sich ab. So trägt auch die Gründung der Ruhr-Universität 1965 den innovativen Konzepten der Stadt Rechnung: Zu dieser Zeit ist sie die erste Universität des Ruhrgebietes. Mittlerweile studieren an der Ruhr-Universität 36.000 Studentinnen und Studenten in 20 Abteilungen und über 90 Studiengängen.
Der Strukturwandel erfasste auch die Stahlindustrie. So wurde durch einen Rückbau ehemaliger Produktionsstätten 1993 eine Werkshalle des Krupp-Konzerns komplett renoviert und dient seither mit einer Fläche von 8900m² als Veranstaltungsstätte für Konzerte, Ausstellungen, Sportereignisse und vieles mehr. Eingebettet ist die Halle in den heute als Naherholungsgebiet dienenden Westpark, der durch ein aufwändiges Gestaltungskonzept zur Erlebnislandschaft umgestaltet wurde. In früheren Zeiten galt das ehemalige Werksgelände in der Bevölkerung als ‚Verbotene Stadt’, durch eine hohe Mauer weder einsehbar noch begehbar. Neben Technologiezentren und Industriebetrieben wurde auch der Dienstleistungssektor immer stärker ausgebaut.
Die kulturelle Entwicklung der Stadt
Die verkehrstechnisch günstige Infrastruktur ermöglicht eine schnelle Verbindung zu den umliegenden Städten. Im Zuge des Wandels von einer Industriestadt hin zu einer modernen Metropole, hat sich auch das kulturelle Leben Bochums in den letzten Jahrzehnten nachhaltig verändert. Das bereits 1919 gegründete Schauspielhaus galt dabei immer wieder als Gradmesser kultureller Entwicklung. Es steht in Verbindung mit großen Namen, wie Peter Zadek, der Anfang der siebziger Jahre mit modernen Aufführungen für Wirbel sorgte, abgelöst von Claus Peymann, einer damals wie heute umstrittenen Theaterpersönlichkeit.
Auch bekannte Schauspieler werden in einem Atemzug genannt, wie der der ‚Ruhrgebiets-Duse’ Tana Schanzara, aber auch Joachim Herrmann Luger (bekannt aus der ‚Lindenstraße’ als Hans Beimer), Joachim Król, und Armin Rohde sind Schauspieler, die in Bochum lebten und arbeiteten. Esther Schweins und viele andere machten an der Schauspielschule Bochum ihre Ausbildung. Seit dem Jahr 2005 ist das Bochumer Schauspielhaus unter der Leitung von Elmar Goerden. Unter dem Motto "Von hier aus" bestückt er die Bühne nicht nur mit neuen Ideen, sondern auch mit alten Klassikern.
Mit Bochum mehr als nur verschwägert ist der gebürtige Göttinger Herbert Grönemeyer, der 1976 die musikalische Leitung des Schauspielhauses übernahm. Er spielte selbst aber auch Theater, so in ‚Frühlings Erwachen’ von Frank Wedekind unter der Regie von Peter Zadek. Bekannter wurde er einem größeren Publikum durch die Mitwirkung in dem Kinofilm ‚Das Boot’ von Wolfgang Petersen, an seiner Seite ein weiterer Bochumer: Ralf Richter. Zum Kult wurde Grönemeyer aber erst 1984 durch sein Hit-Album ‚4630 Bochum’, das zur Hymne der Bochumer Bevölkerung wurde. 1985 folgte das Album ‚Total egal’. Das darauf enthaltene Stück ‚Currywurst’ entstammte der Feder des mittlerweile verstorbenen Bochumers Dieter Krebs.
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